Lisboa

So kurzfristig habe ich noch nie eine Reise geplant und die Flüge gebucht. Es sind zwei Wochen vor den Semesterferien im Februar, als ich durch die verschiedenen Angebote von Reise und Unterkunft für Lissabon klicke. Bereits vor der Abreise organisiere ich mehrere Shootings, die ich in Portugal machen wollen würde. Das Internet bietet die perfekte Möglichkeit mit kreativen Menschen vor Ort in Kontakt zu treten.

Am 7. Februar stehen Dominik und ich früh auf und machen uns mit dem Bus auf zum Flughafen. Wir reisen nur mit Handgepäck, wobei die Hälfte meine Kameraausrüstung und mehrere Brautkleider ausmacht. Wir erhalten Frühstück im Flieger und ich genieße die Zeit, die ich ohne Arbeit und Uni verbringe. Die letzten Wochen waren stressig. Es ist Zeit für etwas Entspannung.

Wir landen in Lissabon und werden vom Taxifahrer direkt zu unserem AirBnB gebracht. Unsere Hosts Kate und Mischa empfangen uns fröhlich und wir fühlen uns sofort wohl in unserem kleinen Zimmer. Die Teeauswahl und die Waffeln, die sie uns vorbereitet haben, sind bis Ende unseres Aufenthaltes aufgebraucht.

Wir ruhen uns kurz aus, bevor wir am Abend die erste Tour durch die Stadt machen.

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Es ist der einzige sonnige und warme Tag, den wir während unseres Aufenthaltes in Portugal erleben. Wir treffen uns mit Anna am Bahnhof, von wo wir entlang der Küste Richtung Cascais fahren. Die Wellen sind groß und wir stellen uns die Surfer vor, die dort im Sommer mit dem Wasser tanzen.
Debora, die Make-Up Artistin, holt uns bei der Endstation mit dem Auto ab und fährt mit uns gemeinsam zum wunderschönen Strand Praia du Guincho. Ich genieße die Aussicht, die warmen Sonnenstrahlen, die meine blasse Haut kitzeln und bin dankbar für den Moment, einfach dort zu sein.

Dominik und ich erkunden die Gegend, während Debora Anna schminkt. Eine lange Holzbrücke führt uns immer näher zum Wasser, bis wir endlich ankommen und in die unendliche Ferne des Horizonts blicken. Eine gigantische Leinwand aus Wasser und Himmel, die miteinander liebevoll verschmelzen, blickt uns an und fängt unsere Träume ein.

Wir gehen zurück und holen Anna und Debora ab. Die Sonne steht bereits sehr tief und lässt ihr goldenes Licht auf die Umgebung fließen. Ich mache Bilder bis die Sonne weg ist und die Kälte zurückkehrt und uns zittern lässt. Im Dunkeln fahren wir zurück zum Bahnhof.

Unsere Tickets funktionieren nicht, obwohl wir für Hin- und Rückfahrt zahlten. Bis wir mit dem genervten Personal das Problem klären können, vergeht eine Stunde und Anna fährt bereits früher zurück.

Im Zug beobachten wir amerikanische Teenager, die herumalbern und vor lauter Lachen, die Aufmerksamkeit des ganzen Wagons auf sich ziehen. Mir kommt es unendlich lange vor, als ich in dem gleichen Alter war und denke daran, wie viel sich seitdem verändert hat. Wie sehr meine Persönlichkeit an Selbstbewusstsein und Stärke gewonnen hat. Dafür bin ich sehr dankbar.

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Es ist kalt, doch Catarina, das Model zeigt sich tapfer und hüpft fröhlich mit dem Brautkleid am Hafen entlang herum. Sie spielt mit ihren langen Haaren, zeigt ihr schönstes Lachen und passt sich der Stimmung an. Plötzlich stehen wir umrundet von einer asiatischen Touristengruppe, die neben mir beginnt, Catarina zu fotografieren. Wir beginnen zu lachen und freuen uns über die Aufmerksamkeit, die an die Teilnahme an einem Workshop erinnert.

Nach dem Shooting beginnt es zu regnen. Bis wir wieder zu Hause sind, sind wir von Kopf bis Fuß durchnässt. Wir hängen die Mäntel und Schuhe an den kleinen Heizkörper im Bad und ich sichere die Bilder ab.

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Unseren Shooting-freien Tag nutzen wir, um Lissabon noch weiter zu erkunden. Der Straßenbahnfahrer streikt plötzlich und der ganze Wagon beginnt zu schimpfen und zu streiten, weil ein Passagier die falsche Tür benutzt und sich weigert wieder auszusteigen. Nach einer halben Stunde gibt er nach und die Polizei kommt, die den Fahrer dazu auffordert, weiterzufahren. Endlich löst sich auch der Stau der Autos hinter dem Fahrzeug wieder auf. Wir spazieren durch die Altstadt und genießen den Sonnenuntergang von einem hochgelegenen Park, von wo wir die ganze Stadt überblicken.

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Es ist unser letzter Tag und es regnet noch immer. Wir treffen uns mit Katarina und Rui bei einem mexikanischen Restaurant direkt am Meer. Dort habe ich am Tag davor über Google Maps eine fabelhafte Location entdeckt. Es nieselt und stürmt leicht, doch das Modelpärchen lässt sich davon nicht ablenken. Wir shooten und ich bin begeistert von den zwei Verliebten, deren Liebe füreinander so sehr spürbar ist.

Rui spricht von einer ganz besonderen Location und wir machen uns mit seinem Auto auf den Weg dorthin. Leider ist das Gelände nicht zugänglich, also schlage ich vor, zwischen den Büschen im Wald ein paar Fotos zu machen. Das Grün der Blätter leuchtet vom bewölkten Himmel und wird durch die Wassertropfen noch umso mehr betont.

Wieder komplett durchnässt kommen wir zu Hause an. Wir ziehen uns um und werden von Kate und Mischa zum Essen eingeladen. Sie haben Pancakes gekocht, die wir mit Bananenscheiben genießen.

Wir verabschieden uns bereits am selben Abend, da wir um 3 Uhr früh bereits wieder aufstehen, um uns zum Flughafen zu machen.

Die Zeit im Flugzeug nutzen wir, um die vergangenen Tage zu reflektieren. Ich danke Dominik dafür, dass er mich so sehr in meinem kreativen Tun unterstützt und freue mich, dass er selbst viel Spaß daran hat, mir beim Arbeiten zu helfen.

Erschöpft kommen wir am Abend in unserem Zuhause in Wien an. Wir packen die Koffer aus und sortieren die Wäsche. Ich sichte die Bilder und bin glücklich über unsere spontane Shooting-Reise nach Lissabon.

 

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Die finalen Bilder gibt es bald hier zu sehen: www.wewillweddings.com.