Napoli | Travel Photographer

Ein verregneter Abend ist es, an dem wir in Neapel ankommen. Turbulent geht es von der ersten Sekunde an, als wir die Ubahn Station verlassen, zu. Nachdem wir schnell erkennen, dass Verkehrszeichen nur vage interpretiert werden und sich die Überquerung einer Straße trotz Zebrastreifen und Fußgänger*innen-Ampel als abenteuerlicher Sprint zwischen Mopeds und Autos herausstellt, irren wir eine Zeit lang durch die Altstadt von Neapel – es ist bereits dunkel, die Schuhe getränkt in Regenwasser und das Handy-Display nicht mehr klar zu betrachten. Das Navi lässt uns hoffnungslos im Stich und auch die italienische Dame, die wir zudem nach dem Weg fragen, macht uns nur durch Handzeichen klar, dass sie eigentlich selbst nicht weiß, wo wir umgehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir endlich in unserem lieblich eingerichteten Airbnb an, wo wir zugleich die Klimaanlage auf die maximale Temperatur einstellen, um uns aufzuwärmen. Wir nehmen die anfänglichen Navigationsschwierigkeiten auf die leichte Schulter und schlafen erschöpft vom Herumirren ein.

Den nächsten Tag beginnen wir früh mit dem Frühstück, das uns unsere Host-Dame im Zimmer zur Verfügung stellt. Danach starten wir unsere Entdeckungs-Tour und wandern durch die Altstadt. Die engen Gassen halten die Moped-Fahrer*innen nicht davon ab, durch die Menschenmengen zu rasen. Während wir stets zur Seite hüpfen, als die Hupe ertönt, gehen die Italiener*innen ganz gelassen nur ein paar Schritte zur Seite, ohne sich von ihrem Sein abzubringen. Wir haben schnell gelernt, dass eine unachtsame Sekunde genügen würde, um von einem Auto oder Moped erfasst zu werden.

Wir spazieren hinauf, um einen schönen Ausblick über die Stadt zu erhaschen. Der Sonnenschein begleitet uns stets und wir erfreuen uns dem Vitamin D, sowie die bunten Häuser und Gebäude. In der weiten Ferne ist der Vesuv zu erkennen. Daneben das schöne Blau des Meeres. Die Schritte häufen sich und der Hunger wird größer, also beschließen wir die beste Pizza der Welt zu probieren. Als wir uns der Pizzeria da Michele nähern, sehen wir bereits eine Menschenmenge vor dem Restaurant warten. Wir erhalten eine Nummer und werden eine halbe Stunde später mit knurrendem Magen zu einem Tisch gebeten. Eine weitere gefühlte Ewigkeit vergeht, als wir endlich unsere Pizza erhalten. Zur Auswahl gibt es nur zwei Pizzen, entweder mit Käse (oder ganz viel Käse) oder ohne. Tatsächlich – Elizabeth Gilbert hatte in ihrem Werk „Eat, Pray, Love“ nicht zu viel versprochen – die Pizza ist wohl kaum zu toppen.

Wir planen für den folgenden Tag einen Ausflug nach Pompeii, den wir allerdings kurz darauf verschieben, als ich mir während einer Notbremsung in der Ubahn, die Fingerknöchel an einer Stange prelle. Ich hatte Glück. Der Mann hinter mir fing mich noch auf, bevor ich auf den Boden stürzte. Daher sei hier ein kleiner Tipp angemerkt: Die Fahrten im Untergrund sind ziemlich unruhig, ein normales Festhalten, wie wir es von Österreich kennen, reicht nicht, falls es, wie in diesem Fall, zu einer Notbremsung kommt. Wir entscheiden uns, lieber abzuwarten, bis die Schwellung weggeht und genießen ein traditionelles Frühstück mit Cornetto und Kaffee in der Innenstadt von Neapel. Danach flanieren wir zum Meer und zurück durch die Altstadt zu unserem Airbnb, wo wir uns ein Nachmittagsschläfchen gönnen, bevor wir uns in die Katakomben wagen.

Meine Hand sieht halb so wild aus und schmerzt auch nicht mehr. Dem Ausflug nach Pompeii an unserem letzten Tag steht nichts mehr im Wege. Wir entscheiden uns für eine Führung mit einem Tourguide durch die Ruinen. Mich faszinieren besonders die erhaltenen Gemälde, die Farben und die Gärten.

Den Abend verbringen wir wieder in Neapel, wo wir uns die letzte Pizza gönnen und die vergangenen Tage reflektieren. Ich fühl mich so gepusht von all den neuen Eindrücken und freu mich auf die vergleichsweise ruhige Stadt Wien.

Neapel ist ein Abenteuer. Es ist laut. Es ist viel los. Es bedarf volle Konzentration, um nicht von einem Auto in der Altstadt angefahren zu werden oder in der Ubahn während der wackeligen Fahrt zu stürzen. Die Luft ist unheimlich schlecht, doch die Aussicht auf den Vesuv, das Meer und das Kennenlernen einer anderen Kultur ist die Reise nach Neapel sehr wert!

 

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